Die
Historie der Leverkusener Ultra-Szene:
Der Grundstein
für die Leverkusener Ultra-Szene wurde im August 1989 mit der Gründung
des Bayer 04 Fanclubs "SOCCER BOYZ" gelegt, dem damals etwa
20 Mitglieder angehörten.
Doch nur ein Jahr nach der Entstehung
gab es schon diverse Unstimmigkeiten in den eigenen Reihen und ein Teil
der Mitglieder trat aus um den Fanclub "MADNESS" zu gründen,
der sich 1990 schon sehr am Ultra-Geschehen in den südlichen Ländern
Europas orientierte. Man produzierte eigene Fanartikel, ging zivil gekleidet
ins Stadion und sorgte mit neuem Liedgut und Transparenten für
Aufsehen.
Es herrschte zu dieser Zeit ein regelrechter Konkurrenzkampf
zwischen den beiden Gruppen. Jeder wollte den anderen durch kreative
Aktionen übertrumpfen und sich so die Vormachtstellung innerhalb
der Szene sichern.
Im Laufe der Zeit wurde aber klar, dass man gemeinsam
mehr erreichen kann und so bündelte man die Kräfte und wuchs
mehr und mehr zusammen.
Im Jahre 1994 feierte man schließlich
die offizielle Wiedervereinigung. Aus "MADNESS" und "SOCCER
BOYS" wurden die "MAD BOYZ". Man zog aus dem traditionellen
C-Block aus und ließ sich im benachbarten Sitzplatzbereich nieder,
von wo aus nun versucht wurde die „Kurve“ zu animieren.
Durch zahlreiche Pyroshows und selbst hergestellte Großschwenkfahnen
zog man die Blicke auf sich. Die neu gegründeten "MAD BOYZ"
konnten nicht zuletzt deshalb, gerade in den ersten Monaten einen regen
Zulauf verbuchen. Doch nicht nur die Aufmerksamkeit bei den Fans in
Leverkusen und in ganz Deutschland konnte man an sich reißen,
sondern leider auch die der Vereine, der Polizei und der Ordnungsdienste.
Zu dieser Zeit stand die Ultra-Bewegung in Deutschland noch in den Kinderschuhen
oder hatte noch gar nicht richtig begonnen. Die erste große Choreographie
gab es dann 1994 beim UEFA-Cup Spiel gegen den italienischen Vertreter
AC Parma, als mit Hilfe eines Sponsors tausende kleine Schwenkfahnen
verteilt wurden.
Angezogen von dieser völlig neuen Art der Fankultur
bildeten sich 1996 zwei weitere Ultra-Gruppen: Die "SUPPORTERS"
und die "VIKING", die aus dem 1994 gegründeten Bayer-Fanclub
"WIKINGER" entstanden. Zu keinem Zeitpunkt gab es Konflikte
zwischen den einzelnen Gruppen, sondern versuchte fortan gemeinsam die
Ultrakultur voranzutreiben. So gab es im gleichen Jahr auch die erste
Choreographie, die von uns ganz unabhängig von Verein oder Sponsoren
inszeniert wurde. Beim Spiel gegen den FC Bayern München wurden
auf der ganzen Nordtribüne (in der Zwischenzeit zum Fanblock geworden)
rote und schwarze Folien hochgezogen, was sogar dem damaligen SAT1-Reporter
staunend lobende Worte abgewinnen konnte („Das Ulrich-Haberland-Stadion
– was war es früher für eine „graue Maus“
– Heute ist davon nichts mehr zu spüren und man fühlt
sich fast nach Italien versetzt“ oder so ahnlich...), da es so
etwas bis dato in Deutschland noch nicht gegeben hatte.
Mit der Zeit
konnte man auch andere Bayer-Fans und selbst die Fanbetreuung von dieser
neuen Art des Fandaseins überzeugen und so wurde auf Initiative
der "MAD BOYZ" der "Arbeitskreis Stimmung" ins Leben
gerufen. Nach den bisherigen Pyroaktionen, die vielen Leuten Stadionverbote
einbrachten, sollte dadurch nun die Organisation von großen Choreographien
erleichtert werden. Der „AK“ bestand, und besteht heute
noch, zum größten Teil aus Personen, die der Ultrá-Szene
zuzuschreiben sind und wurde ergänzt durch weitere Interessierte.
Die erste Aktion, die vom „AK Stimmung“ geplant und durchgeführt
wurde, gab es dann 1996 im Derby gegen den 1. FC Köln. Die rund
5.000 roten und schwarzen Papptafeln, die beim Einlaufen der Mannschaften
hochgehalten wurden, ergaben ein beeindruckendes Bild.
Da solche Aktionen
nicht auf Dauer aus der eigenen Tasche bezahlt werden konnten, suchte
man sich andere Wege um die Finanzierung zu sichern, jedoch ohne dabei
von Verein oder Sponsoren abhängig zu werden. Aus diesem Grund
wurde auf einem Meeting aller Fanclubvorsitzenden der Vorschlag unterbreitet,
dass sich alle Fanclubjahreskarteninhaber an den Aktionen beteiligen
sollen und einen Jahresbeitrag von 5 Mark in diese „Stimmungskasse“
einzahlen sollten. Dieser Vorschlag wurde mit großer Mehrheit
von den Fans angenommen.
1998 kam
dann eine weitere Gruppe dazu, die sich der Ultramanie verschrieben
hatte: Die "YOUNG BOYS". Anfangs wegen ihres Durchschnittsalters
noch nicht ganz so ernst genommen, zogen sie fest entschlossen ihre
Sache durch und sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Leverkusener
Ultra-Szene. Da die Mitglieder der verschiedenen Gruppen auch den größten
Teil ihrer Freizeit neben dem Fußball gemeinsam verbrachten, verschwand
immer mehr die Aufteilung der einzelnen Gruppen und es kam das Gefühl
auf, dass wir alle zusammen die "ULTRAS LEVERKUSEN" sind.
Dieser Gedanke verfestigte sich so, dass in der Saison 1999/2000 ein
gemeinsamer „Ultra-Block“ im ehemaligen Fanblock C gebildet
wurde. Der Support innerhalb dieses Blocks konnte sich dann auch sehen
lassen, doch leider verflachte gleichzeitig auch die Stimmung im restlichen
Fanbereich. Zu Beginn der Saison 2000/2001 wurde deshalb der Weg zurück
in die Nordkurve gewählt, wo man nun allein in diesen 4 Gruppen
über 130 Jahreskarten direkt über dem Tor zählt. Durch
eine Beschränkung der Jahreskartenanzahl innerhalb der Fanclubs,
konnten allerdings keine Mitglieder mehr in diesen 4 Gruppen aufgenommen
werden. Da sich in Leverkusen aber inzwischen viel mehr Leute dem Ultra-Gedanken
verschrieben hatten, wurden zum Rückrundenstart die "ULTRAS
LEVERKUSEN" offiziell als fanclubübergreifende Organisation
aktiver Bayer-Fans gegründet. Die "UL" stellt nun einen
Sammeltopf für alle Ultras in Leverkusen, egal aus welchem Fanclub,
dar. Oberstes Ziel des ganzen ist es, auch die neueren Leute (oder selbst
ganze Fanclubs) mehr in die Szene zu integrieren.
3 Monate nach der
Gründung zählt die "UL" bereits rund 80 Leute aus
15 verschiedenen Fanclubs. Damit ist das Potential allerdings noch nicht
annähernd ausgeschöpft, was man auch daran sieht, dass sich
erst etwa 20 Leute der 4 „großen“ Gruppen angeschlossen
haben. Der Rest steht der Sache zwar nicht distanziert gegenüber,
will aber noch abwarten wie sich die "UL" entwickelt. Bislang
ist vor allem von den neuen Mitglieder ein hohes Maß an Arrangement
zu erkennen, womit einem Anschluß der „älteren“
Ultras im nächsten Jahr nichts mehr im Wege steht. To be continued...
Stand:
März 2001